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18.01.2010,  07:27 Uhr Philipp Germeroth zurück

Blick hinter die Kulissen Teil 2

Der zweite Teil dreht sich um neue Infos zum Ticketing, Bandenwerbung, Bannerplätze, Sponsorenwerbung, Catering, den Umweltaspekt in der Coface Arena und vieles mehr!


Christopher Blümlein von Mainz 05 im Interview. Foto von Tim Feser.

Christopher Blümlein von Mainz 05 im Interview. Foto von Tim Feser.

Christopher Blümlein beantwortet die Fragen über Ticketing, Bandenwerbung, Bannerplätze, Sponsorenwerbung, etc. Foto von Tim Feser.

Christopher Blümlein beantwortet die Fragen über Ticketing, Bandenwerbung, Bannerplätze, Sponsorenwerbung, etc. Foto von Tim Feser.

Christopher Blümlein:"Wir versuchen gemeinsam mit den Fans alle Wünsche unter einen Hut zu bekommen". Foto von Tim Feser.

Christopher Blümlein:"Wir versuchen gemeinsam mit den Fans alle Wünsche unter einen Hut zu bekommen". Foto von Tim Feser.

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Wie schaut es mit Bannerplätzen für die Heimfans aus?

Auch da wollen wir das Rad nicht neu erfinden. Wir haben im Bruchwegstadion aktuell eine Lösung, mit der alle sehr gut leben können. Wir haben einen Sponsor gefunden, der es den Fans ermöglicht sich zu präsentieren. Im neuen Stadion werden wir das genauso übernehmen, dass es eine Bandenreihe vier Meter  neben der Außenlinie und eine zweite, die direkt an der Tribüne angebracht ist, gibt. Diese zweite Bandenreihe wird an der Stehplatztribüne im Westen jedoch nicht angebracht werden, dort dürfen sich unsere Fans präsentieren.

Gibt es in der Coface Arena auch einen tiefen Graben zwischen dem Block und dem Spielfeld, so wie in Aachen, wo ein St. Pauli-Fan sich bei einem Sturz schwer verletzt hat?

In Aachen gibt es diesen Graben auch nicht, sondern der Unfall ist dort passiert, wo das sogenannte Marathontor zum Spielfeld hin ist. Da wir eine ähnliche Situation in der Coface Arena haben werden (es handelt sich um den gleichen Architekten), haben wir direkt besprochen, dass uns das definitiv nicht passieren darf. Wir werden dort einen höheren Zaun installieren, auch wenn die Sicherheitsrichtlinien in Aachen auch alle eingehalten wurden. Wir wollen ja aus den Fehlern und Problemen der Anderen lernen.

Was ist sonst für die Fans vorgesehen? Gibt es wieder einen Raum für das Fanprojekt oder gar eine Fanhalle, in der man z.B. auch Choreos vorbereiten kann?

Wir haben ursprünglich einmal angefangen eine Liste mit allen Bedürfnissen zusammenzustellen, auf der schlussendlich wesentlich mehr drauf stand, als mit unserem Budget realisierbar war. Der Budgetgrenze ist dann alles zum Opfer gefallen, was in der ersten Bauphase nicht zwingend notwendig, später nachrüstbar oder einfach nicht zu finanzieren ist. Dazu gehört z.B. leider auch eine riesige Fanhallenkneipe, die auch außerhalb der Spieltage eine Heimat sein sollte. Aber es gibt eine Fankneipe in der Nord-West Ecke und direkt daneben einen Raum für das Fanprojekt und die Fanvertreter. Dieser Raum wird wesentlich größer sein als die -unbestritten sehr schöne- Holzhütte im Bruchwegstadion. Unter der Westtribüne wollen wir eine höhere Aufenthaltsqualität schaffen, auch wenn eine richtige Halle mit Biertischen etc. den finanziellen Rahmen gesprengt hätte. Aber um Choreos vorzubereiten kann man sicherlich den Bereich unter der Stehplatztribüne nehmen. Dort wollen wir zum Schutz vor Wind und Regen große Banner zwischen den Tribünenstützen anbringen und desweiteren große Leinwände aufhängen, um es zu ermöglichen dort nochmal gemeinsam das Spiel Revue passieren zu lassen.

Gibt es schon eine Entscheidung über das Catering beziehungsweise haben die Fans ein Mitbestimmungsrecht?

Das Thema Catering ist sehr weitreichend, weswegen wir beschlossen haben, dies ohne Fanbeteiligung zu entscheiden. Da wir weiterhin lieber mit einem lokalen Unternehmen  als einer großen Kette zusammenarbeiten wollen, haben wir uns entschieden die Partnerschaft mit Gauls Gastronomie (seit 2004 im Außenbereich und seit 2006 im VIP Raum tätig) einen langfristigen Vertrag zu schließen. Dabei haben wir auch unsere Fans im Hinterkopf gehabt, denn ein lokales Unternehmen ist vermutlich eher bereit auf die regionalen Bedürfnisse wie Handkäs‘ mit Musik oder Meenzer Fleischwurst einzugehen als ein großes Unternehmen, welches jedes Stadion nahezu gleich beliefert. Die Firma Gaul wird zudem sicherlich bei der Anpassung des Sortiments die Fans mit einbeziehen und wieder einen „Wurst Contest“ oder ähnliches anbieten. Auch Betreibung der Fankneipe liegt in Gauls Händen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Stadt beim Thema Infrastruktur, wer entscheidet wann was gebaut wird?

Wir sind die Stadionexperten und die Stadt ist der Experte für den Bau. Herr Graffé, der zusammen mit seinem Team der GVG Bauherr ist, hat alle Fäden in der Hand und bestimmt wann es Sinn macht den Parkplatz zu bauen oder wann welche Straße sinnvoll wäre. Innerhalb der Baustelle entscheidet HBM über alles, wobei sie natürlich das Enddatum einhalten müssen. Die GVG als Bauherr stimmt alle Sachen mit den Ämtern der Stadt ab und kann so alles am besten koordinieren. Wir können schon sehr froh sein, dass wir mit den Ämtern der Stadt Mainz und vor allem mit der GVG so ein kompetentes Team in unserem Boot haben.

Wie groß ist der Umweltaspekt bei der Coface Arena, was ist die Rolle dabei von Entega und vor allem welche Änderungen gab es bei der Planung des Stadions nach dem Einstieg von Entega als Hauptsponsor?

Erstmal ist es mir wichtig klarzustellen, dass wir bereits vor der Zusammenarbeit mit Entega uns unserer Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst waren. So haben wir zum Beispiel 2006/07 im Rahmen des Projektes Ökoprofit unseren gesamten Verein durchleuchtet, das Ziel dabei ökologisch aber auch ökonomisch und profitabel zu arbeiten. Man optimiert die Wasserregler, schaut nach Einsparpotentialen im Stromverbrauch und so weiter. Um zusammen mit unserem neuen Hauptsponsor Entega das große Ziel CO2-Neutralität zu erreichen, haben wir etliche Themen angestoßen und arbeiten noch sorgfältiger, zum Beispiel im Bezug auf Wärmedämmung und Solarzellen. Die Coface-Arena wurde jedoch noch nicht direkt von Entega durchleuchtet, denn das Stadion wurde in der Planung natürlich schon vom Umweltamt der Stadt Mainz untersucht, welches sehr penibel auf die Umweltverträglichkeit der Baumaterialien oder auch auf die Energieeffizienz geachtet hat. Zudem wurde das Ökoinstitut in Darmstadt zu Rate gezogen, die bereits bei der WM2006 unter dem Schlagwort „Green Goal“ aktiv waren. Genau dieses Institut arbeitet nun mit Entega zusammen auch an unserem Ziel der CO2-Neutralität. So schließt sich der Kreis.

Thema Bandenwerbung: War die LED Bandenwerbung beim Benefizspiel gegen Bayern ein Vorgeschmack auf das neue Stadion? Müssen sich die Fans gar auf spanische Verhältnisse mit übermäßig greller und blinkender Werbung einstellen? 

Momentan wissen wir nur wo wir Banden positionieren, aber welche Art von Bande genau kommen wird steht noch nicht fest. Sollte es tatsächlich auf LED hinauslaufen, werden wir versuchen diese möglichst stilvoll und farblich für jeden ansprechend zu bespielen. Wir sind uns vollkommen darüber im Klaren, dass die spanische Nutzung der LED-Banden, bei der man sich wie an einer Tankstelle vorkommt, bei uns überhaupt nicht in Frage kommt, auch wenn wir sicherlich bei der Benutzung zu Beginn auch Fehler machen werden und uns nach und nach verbessern müssen. In Deutschland gibt es zudem mittlerweile Richtlinien die festlegen, wie schnell sich ein Auto oder eine Bierflasche auf der Bande bewegen darf. Aber es gibt Beispiele, da sieht man im Fernsehen bei einem Eckstoß im Fernsehen nicht, ob es sich nun um eine LED- oder eine herkömmliche statische Werbebande handelt. Man kann vieles richtig aber auch natürlich falsch machen. Wir wollen aber fortschrittlich sein und denken daher selbstverständlich auch über dieses Medium nach. Nur wenn wir von der Technik wirklich überzeugt sind, wird sie kommen.

Können die Fans sich Hoffnung darauf machen, dass die Sponsorenwerbung (z.B. auf den Banden) einheitlich in Vereinsfarben gehalten wird – so wie dies in Hamburg der Fall ist?

Sicherlich ist es wünschenswert ein einheitliches rot-weißes Stadion zu haben, aber die Gespräche mit den Sponsoren hinsichtlich einer Eingrenzung der Farbwahl sind sehr schwierig. Ein Sponsor hat immer Mitspracherecht, da er den Verein mit nicht ganz unerheblichen Mitteln unterstützt. Wir werden definitiv versuchen das Farbenspiel nicht zu übertreiben und möglichst alles farblich verträglich zu gestalten, aber ich bezweifele, dass wir ein rot-weißes Stadion hinbekommen. Dafür sind wir noch ein zu kleiner Verein und können den Sponsor nicht alles vorschreiben. Wir sind ja froh über die Sponsoren, die wir haben, und wollen ihnen deshalb nicht zu viel zumuten.

Wie weit sind die internen Planungen beim Thema Ticketing fortgeschritten und wann gibt es Infos für die Fans?

Wir führen schon seit langer Zeit intensive Gespräche und werden im März 2010 Infos an die Fans herausgeben. Die bisherigen 15.000 Dauerkarteninhaber passen natürlich alle ins Stadion und werden wahrscheinlich zum Großteil ihren aktuellen Platz beibehalten wollen. Jedoch gibt es auch Gruppen und Fanclubs, die nun alle zusammen in einem Block sitzen wollen. Nachdem die aktuellen Dauerkarteninhaber untergebracht sind, kümmern wir uns um unsere Mitglieder. Zudem rechnen wir mit vielen neuen Anträgen und haben auch noch tausende Adressen von Personen, die sich seit 2004 auf der Warteliste angesammelt haben. Erschwert wird  die Planung zudem noch durch die Ungewissheit, wann wir genau in das neue Stadion ziehen. Nehmen wir an im März 2011 ist das Stadion fertiggestellt und wir haben noch 4 Spiele, dann könnten wir umziehen, obwohl anderseits es natürlich organisatorisch einfacher ist die Saison im Bruchwegstadion fertig zu spielen und dann im Sommer einen sauberen Umzug zu vollziehen. Die meisten Fans wiederum drängen selbstverständlich auf einen schnellen Umzug. Sobald wir wissen, in welcher Liga wir nächstes Jahr spielen, gehen die Dauerkartenanträge für das Bruchwegstadion raus. In denen wird stehen, dass wir 17 Mal im Bruchwegstadion spielen und man kauft ganz normal seine Dauerkarte. Aber sobald feststeht, wann wir genau umziehen, werden wir kundtun, wie und wann der Umzug genau laufen wird und dabei versuchen dann gemeinsam mit den Fans alle Wünschen unter einen Hut zu bekommen. Mehr möchte ich an dieser Stelle dazu nicht sagen, der Verein wird das ab Frühjahr 2010 genauer kommunizieren.

Ist schon bekannt, wie viele Dauerkarten verkauft werden?

Mit der aktuellen Lösung von „¾ des Stadions“ fahren wir sehr gut. Wir haben somit eine Fluktuation im Tagesgeschäft und dabei sichergestellt, dass wir immer ein fast ausverkauftes Stadion haben, was Stimmung bedeutet. Die aktuellen Überlegungen laufen deswegen auf 25.000-27.000 Dauerkarten hinaus. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auch so viele Dauerkarten verkaufen werden; unser Einzugsgebiet vergrößert sich stetig und es wird mit der Coface Arena viel mehr Leuten ermöglicht bei uns Karten zu kaufen. Auch denen, die aktuell im Bruchwegstadion ihr Glück gar nicht erst versuchen, weil sie wissen, dass wir sowieso immer ausverkauft sind. Aber ich empfehle jedem eine Dauerkarte, denn ich glaube nicht, dass wir Probleme haben werden, die Coface Arena zu füllen, sondern eher wieder, die Karten unter den vielen Interessenten gerecht zu verteilen.

Wie berechnet man eigentlich einen Steh- und einen Sitzplatz?

Ein Sitzplatz hat eine Breite von 60 cm und eine Tiefe von 80 cm, auf der Haupttribüne 90 cm. Auf dem Stehplatzbereich ist die Breite die gleiche und auch die Tiefe beträgt 80 cm, jedoch sind dort 2 Stufen. Insofern benötigt ein Sitzplatz doppelt so viel Raum wie ein Stehplatz.

Warum habt ihr euch dafür entschieden die Ecken des Stadions offen zu lassen?

Dies hat noch nicht einmal primär finanzielle Gründe. Wir wollten lieber ein paar Plätze weniger (nach dem Schließen der Ecken bietet die Coface Arena Platz für 37.000), aber dafür ein besonderes Stadion bauen, bei dem man nicht lange suchen muss, bis man ein Detail findet, welches es nur in Mainz gibt. Man muss vielmehr im TV in Sekundenbruchteilen erkennen, dass es sich um Mainz handelt. Wir wollten ein markantes Stadion mit einer eigenen Geschichte bauen, nicht so wie die meisten anderen Stadien, die vollkommen rund und daher kaum unterschiedlich sind.  Besonders stolz bin ich übrigens auf die Tatsache, dass es bei uns keine einzige Treppe gibt. Bei uns geht man ebenerdig in der 14. Reihe in seinen Block hinein und dann auf der Tribüne entweder hoch oder runter, die Rollstuhlfahrer befinden sich wie gesagt gleich auf Ihren Plätzen. Kein Vergleich also zu den Treppenorgien in Schalke, Bayern oder Kaiserslautern.

Wie lange braucht eigentlich ein Architekt um so ein Großprojekt zu planen?

Unser Architekt, der vorher schon u.a. Köln, Hoffenheim und Aachen geplant hat, hat alles in allem über ein Jahr gebraucht um dort hinzukommen, wo wir jetzt sind. Durch seine Vorerfahrungen konnte er uns ein Stadion präsentieren, welches zu 95% unsere Vorstellungen erfüllt hat. Zudem hat es noch einige Dinge enthalten, die besser waren als wir sie uns vorgestellt und gewünscht haben. Leider hat alles seinen Preis, daher war es von diesem Erstentwurf wieder ein langer Weg hin zu dem jetzigen Stand. Wir mussten ein wenig abspecken, weil wir ja bekanntlich über kein grenzenloses Budget verfügen. Zudem haben wir dem Architekten noch einige Mainz-spezifische Sachen an die Hand gegeben, die woanders vielleicht keinen Sinn machen, aber wir genau so haben wollten. Wir haben versucht in allen Bereichen das Optimum für unsere Bedürfnisse hinzubekommen. Übrigens hat der DFB Schiedsrichterobermann Eugen Striegel mir per Handschlag versichert, dass er nur noch von Mainz 05 spricht, wenn es um die schönste Schiedsrichterkabine geht, sollten wir unsere aktuellen Pläne tatsächlich in die Tat umsetzen. Solche Detailplanungen waren aber nur möglich, weil wir aufgrund der Probleme beim Finden des Baugrundstücks genügend Zeit hatten um uns so intensiv mit den Planungen auseinanderzusetzen. In Hoffenheim ist z.B. die Schiedsrichterkabine auf Höhe der Eckfahne, vermutlich weil dort möglichst schnell ein Stadion gebaut werden sollte, koste es was es wolle. Wir hingegen mussten viele clevere Lösungen für sämtliche Dinge finden, damit wir das Maximale rausholen, was der Verein finanziell leisten kann, ohne irgendwie blauäugig in die Zukunft zu planen.

Ist es angedacht die Benennung des Hauptstimmungsblock in die Coface Arena zu übernehmen und dort den Stimmungsblock auch „Q-Block“ zu nennen?

Man muss natürlich aufpassen, dass es nicht nur mit Emotionen begründet ist wie die Blöcke heißen, sonst finden neuere Stadionbesucher Ihre Plätze nicht, wenn man unlogisch die Blocknamen verteilt. Aber wenn die Anzahl der Blöcke ähnlich ist wie im Bruchwegstadion, dann können wir den Block gerne wieder Q-Block nennen - und dafür stehen die Quoten gar nicht so schlecht.

Das Interview führte Philipp Germeroth.

Zum ersten Teil des Interviews geht es hier


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