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11.05.2010,  18:29 Uhr Olly Balmes zurück

Mainz-Spelle-Mainz in 15 Stunden

Coface Arena – Reporter Olly Balmes begleitete einen Transport von der Firma Rekers in Spelle bei Osnabrück durch die Nacht. Seine Eindrücke und Erlebnisse schildert er in folgendem Artikel.


1: Ein Teil der fertigen Tribünenplatten auf dem Gelände von Rekers in Spelle.

1: Ein Teil der fertigen Tribünenplatten auf dem Gelände von Rekers in Spelle.

2: Zahnbalken wie sie in der Nacht transportiert wurden.

2: Zahnbalken wie sie in der Nacht transportiert wurden.

3: Coface Arena-Reporter Olly Balmes beim "Probestehen" auf den Platten.

3: Coface Arena-Reporter Olly Balmes beim "Probestehen" auf den Platten.

4: Herr Flucht vor einem Plan der Coface Arena. Jedes Teil ist dokumentiert!

4: Herr Flucht vor einem Plan der Coface Arena. Jedes Teil ist dokumentiert!

5: Und genau diesen Balken nehmen Gerd un Olly Balmes in der Nacht "huckepack".

5: Und genau diesen Balken nehmen Gerd un Olly Balmes in der Nacht "huckepack".

6: Mitarbeiter von Rekers verladen und sichern den Zahnbalken. Ladungssicherung ist oberstes Gebot.

6: Mitarbeiter von Rekers verladen und sichern den Zahnbalken. Ladungssicherung ist oberstes Gebot.

7: Gerds MAN der Firma Universal Transport. 62 Tonnen schwer, 31 Meter lang. Gerd: "Nichts Besonderes."

7: Gerds MAN der Firma Universal Transport. 62 Tonnen schwer, 31 Meter lang. Gerd: "Nichts Besonderes."

8: Gerd an seinem Arbeitsplatz. Sauber und aufgeräumt ist es in der Fahrerkabine.

8: Gerd an seinem Arbeitsplatz. Sauber und aufgeräumt ist es in der Fahrerkabine.

9: Pause gegen 1 Uhr nachts. Nochmal wird die Ladung kontroliert. Dann gibt´s Kaffee und Bockwurst.

9: Pause gegen 1 Uhr nachts. Nochmal wird die Ladung kontroliert. Dann gibt´s Kaffee und Bockwurst.

10: Gelbes Rundumlicht ist Pflicht bei Schwerlasttransporten.

10: Gelbes Rundumlicht ist Pflicht bei Schwerlasttransporten.

11: 3.29 Uhr: Ankunft auf der Zufahrtsstraße zur Coface Arena.

11: 3.29 Uhr: Ankunft auf der Zufahrtsstraße zur Coface Arena.

12: Ende des "Arbeitstages" für Coface Arena-Reporter Olly Balmes.

12: Ende des "Arbeitstages" für Coface Arena-Reporter Olly Balmes.

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Das war doch mal eine schöne Tour. Und mitgebracht habe ich auch etwas – einen Zahnbalken! Einen Zahnbalken? Ja, einen Zahnbalken!

Vor gut drei Wochen kam mir die Idee: Den Transport eines Bauteils für unsere coface Arena ab Werk dokumentieren. Am Montag, 10. Mai 2010 um 15.20 Uhr, geht es los. Mein Euro City rollt an, die Fahrt geht von Mainz über Münster bis nach Rheine in Westfalen. Pünktlich um 19.32 Uhr steige ich aus dem Regionalexpress. Mein Taxifahrer, der mich abholen soll, ist auch schon da.

Im Betonwerk der Firma Rekers in Spelle werde ich von Herrn Flucht empfangen. Herr Flucht disponiert die Lieferungen aller Bauteile, die Rekers für die Coface Arena herstellt. „Insgesamt werden von uns 3269 Teile angefertigt, von der simplen Treppenstufe bis zu den großen Betonstützen!“ Es sind bereits 2459 fertig, davon wiederum 650 Teile nach Mainz ausgeliefert.

„Jede Woche findet eine Besprechung für das weitere Vorgehen auf der Baustelle statt. Wir haben mittlerweile so viele Teile produziert, dass wir mit jeder Lieferung auf Änderungen reagieren können, wir sind da sehr flexibel! Wenn es, warum auch immer, an einer Ecke auf der Baustelle hakt, können wir sofort Teile für eine andere Tribüne liefern. Das ist bis jetzt aber noch nicht vorgekommen, kommt auch so gut wie nie vor“, erklärt Herr Flucht in seinem Büro vor drei großen Plänen stehend. Auf denen ist jedes einzelne Bauteil sowie dessen Status verzeichnet: ausgeliefert, produziert, in Produktion, noch nicht produziert . . . Alles haarklein und sorgfältig aus einer Hand!

Ich frage ihn, ob „so einer wie ich“ schon mal eine solche Aktion gemacht hat. „Wir hatten schon öfter Presse auf dem Werksgelände, auch Filmteams. Aber Hobbyreporter wie Sie noch nicht. Und schon gar nicht welche, die den Transport begleiten!“ Juhu, der erste fahrende Arena-Reporter Deutschlands, das ist doch was.

Herr Flucht führt mich über das Firmengelände. Sehr beeindruckend, ziemlich viele Treppenstufen, Wände, Stützpfeiler, Zahnbalken. Die Zahnbalken, von denen in dieser Nacht sechs Stück ausgeliefert werden, sind die Verbindungen von den bereits im unteren Teil der Arena verlegten Stufenplatten hoch zu den Enden der Stützpfeiler. Sie bilden die Auflagen für weitere Stufenplatten, die übererdig in das Stadion eingebaut werden. Ein einzelner Zahnbalken wiegt 37 Tonnen und ist 26,50 Meter lang.

Nun bekomme ich meinen „Chauffeur“ vorgestellt: Gerd! Gerd fährt Schwertransporte für die Firma Universal Transport, über die Rekers die gesamte Lieferung zur Coface Arena abwickelt. „Alles top Fahrer, top Service“, meint Herr Flucht, als ich den MAN TGX 41.540 auf der Beifahrerseite besteige. Die Zugmaschine ist gerade erst ein knappes Jahr alt und blitzsauber. Ich habe fast ein schlechtes Gewissen, mit meinen Baustiefeln einzusteigen.

Und schon bald stellt sich auch bei mir das Gefühl ein, dass Gerd und die Jungs bei dieser Tour nicht wirklich überfordert werden. „Gesamtgewicht des Gespanns 62 Tonnen, Gesamtlänge rund 31 Meter, Höhe 4,10m. Da bin ich ganz andere Sachen gewohnt . . .“ Gerd fährt seit 1991 Schwerlasttransporte, in letzter Zeit oft Gasturbinen und Windkraftanlagen. Er ist also wirklich ein alter Hase! Und hat schon Teile für die Fußballstadien nach Hoffenheim, Aachen, Schalke, Leipzig, Paderborn, Rostock, Düsseldorf und Bremen geliefert, und jetzt eben auch zum ersten Mal nach Mainz! „Aber Fußball interessiert mich nicht wirklich“, meint er mit einem verschmitzen Grinsen. Gut, dann weiß ich schon mal, worüber wir uns heute Nacht eher weniger unterhalten werden.

Gegen 21.40 Uhr rollen die ersten beiden der sechs Transporte vom Hof, immer mit einem Begleitfahrzeug. Auf den ersten Kilometern, auf denen es gilt, über eine Bundesstraße zu fahren und die erste Autobahnauffahrt auf die A 30 zu nehmen, werden die Züge ebenfalls von zwei gesonderten Sperrfahrzeugen begleitet. Die riegeln die Abfahrten und Auffahrten komplett ab, damit auch die Gegenfahrbahn genutzt werden kann. In Spelle übernehmen diesen Job speziell von der Polizei ausgebildete Taxifahrer, die ihren Taxibalken gegen orangenes Rundumlicht tauschen, ein in Deutschland einmaliges Pilotprojekt!

Schon bald sind wir, die als Vierte losgefahren sind, auf dem Weg durch die Dämmerung. Gerd ist zwar ein Mann weniger Worte, aber seine Art Humor gefällt mir. Wir unterhalten uns über Dinge wie Fahrzeitbeschränkung, Ladungssicherung - das wichtigste Thema bei Schwerlasttransporten - und am Ende eben doch über die verschiedenen Stadien in Deutschland. Und wie schwer es sein kann, mit einem Flutlichtmast von 45 Metern Länge durch die Bremer Innenstadt zu fahren.

Presse und Kamerateams hatte Gerd auch schon dabei, die sind ihm eigentlich eher unangenehm. Einen Hobbyreporter, der das Ganze aus Liebe zum Verein macht, hatte er freilich noch nicht an Bord „Aber Du bist in Ordnung, das ist alles völlig ok!“ Ich fühle mich geehrt. Und wir verlassen die A 30 auf die A 31.

Für die Fans von Routenplanern: Unser Weg führt uns von der A 31 auf die A 2, die A 3, die A 4, die A 555, A 565, A 61 und schließlich auf die A 60. Warum so kompliziert? „Das sind die genehmigten Schwerlastrouten“, erklärt Gerd. „Ist zwar manchmal etwas umständlich, aber wir fahren ja sowieso nur nachts, also haben wir mit Stau Gott sei dank nicht so viel zu tun!“ Und seine Worte bewahrheiten sich.

Bereits um 1.00 Uhr Nachts laufen wir die Raststätte Brohltal kurz vorm Nürburgring für die vorgeschriebene Pause an. Es gibt Bockwurst und Kaffee. An dieser Stelle noch mal „Danke“ für das „Frühstückssponsoring“ der Firma Rekers! Ohne Verzögerung, um 1.45 Uhr, fahren wir wieder auf die Autobahn.  Es ist nicht mehr weit und am Dreieck Nahetal, beim Wechsel auf die A 60, fühle ich mich schon wieder fast wie daheim! Um Punkt 3.29 Uhr passieren wir den Europakreisel und parken auf der Zufahrt zur Coface Arena. Das ging flott, das ging reibungslos, das ging unkompliziert!

Gerd ist müde. Ich verabschiede mich von ihm und bedanke mich für den „geilen Ritt durch die Nacht“. Er grinst. Nur: Wie komme ich jetzt hier weg? Kein Bus, kein Taxi! Gerd muss schlafen, für mich ist jetzt leider kein Platz mehr in der Kabine. Er spricht kurz mit dem Fahrer des Begleitfahrzeuges, der sowieso noch nach Frankfurt muss. „Er setzt Dich in Mainz am Bahnhof hab“, ist die rettende Aussage meines großen, blonden Taxifahrers. Der Weg zum Feierabendbier ist frei! Ich danke ihm abermals und verschwinde im Begleitfahrzeug und lasse ihm und den andern Fahrern ihren verdienten Schlaf.

Bei einem kühlen Weizenbier lasse ich die Eindrücke der vergangenen Stunden noch einmal Revue passieren. Und in mir stellt sich ein tolles Gefühl ein: „Du hast grade unser neues Stadion beliefert“! Um ehrlich zu sein: Das war der beste 15-Stunden-Trip, den ich je gemacht habe!


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