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15.04.2010,  14:04 Uhr Basti Hauck zurück

Das besondere Flair mitnehmen!

Vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund trafen sich die Coface Arena - Reporter Andrea Blumers und Basti Hauck mit dem Stadionsprecher von Mainz 05, Klaus Hafner, um mit ihm über die neue Arena, seine Zukunft als Stadionsprecher, die aktuelle Saison der 05er und die Fußballweltmeisterschaft der Frauen 2011 in Deutschland zu sprechen. Andrea Blumers war als Fotografin tätig, Basti Hauck führte das Interview.


Coface Arena-Reporter Basti Hauck im Gespräch mit Klaus Hafner.

Coface Arena-Reporter Basti Hauck im Gespräch mit Klaus Hafner.

Coface Arena-Reporter Basti Hauck im Gespräch mit Klaus Hafner.

Coface Arena-Reporter Basti Hauck im Gespräch mit Klaus Hafner.

Coface Arena-Reporter Basti Hauck im Gespräch mit Klaus Hafner.

Coface Arena-Reporter Basti Hauck im Gespräch mit Klaus Hafner.

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CAR: Heimspiele von Mainz 05 ohne Klaus Hafner, das ist für viele Fans eigentlich unvorstellbar. Deswegen interessiert uns, ob Sie, Herr Hafner, denn auch der Stadionsprecher in der neuen Coface Arena sein werden.

Klaus Hafner: Ja, das ist ganz sicher.

CAR: Gab es von ihrer Seite keinerlei Überlegungen, nach so vielen Jahren als Stadionsprecher aufzuhören? Denn der Umzug wäre sicherlich ein Zeitpunkt, um einen Schnitt zu machen, um aufzuhören.

Klaus Hafner: Die Überlegungen gab es selbstverständlich. Es ist aber auch so, dass so ein Umzug in ein neues Stadion gewisse Eckpunkte bedingt, um die Leute in das neue Ambiente mitzunehmen.

CAR: Die Vorstellung, sich einen schönen, ruhigen Platz in der neuen Arena auszusuchen und die Spiele in Zukunft ganz in Ruhe verfolgen zu können, war also nicht verlockend? Sie haben immer noch Spaß an der Arbeit als Stadionsprecher?

Klaus Hafner: Das eine hat mit dem anderen ja nichts zu tun. Sicherlich würde ich auch ganz gerne mal einfach da sitzen und nach fünf Minuten aus Spaß „Vorstand raus“ rufen, was ich all die Jahre nicht durfte. Aber die Arbeit macht mir auch noch im 23. Jahr sehr viel Spaß.

CAR: Sie waren, wenn die Coface Arena fertig gestellt sein wird, praktisch in drei verschiedenen Stadien Stadionsprecher von Mainz 05 - erst im alten, dann im umgebauten Bruchwegstadion und nächstes Jahr dann in der neuen Coface Arena. Haben Sie, ganz ehrlich, vor 15 Jahren geglaubt, dass eine solche Entwicklung von Mainz 05 möglich sein wird?

Klaus Hafner: Nein, überhaupt nicht. Ich bin seit 1981 bei Mainz 05 aktiv, zu Beginn war ich ja als Jugendtrainer und Jugendkoordinator tätig. Ich habe die bitteren Zeiten kennen gelernt, wo wir um Spielbälle gebettelt haben. Das war noch 1986 der Fall. Wenn man sieht, was in der Zwischenzeit geschehen ist, dann ist das schon atemberaubend.

CAR: Sie berichten gerne, wenn Sie die Zuschauer auf der Gegengerade begrüßen, dass Sie selbst an jenem Ort standen und zwar zu Zeiten, als dort noch ganz andere Bedingungen herrschten.  

Klaus Hafner: Ja, ich habe als Junge dort 1964 das erste Mal gestanden. Da bekamen wir im Sommer eine Staublunge, wenn ein paar Zuschauer getrampelt haben. Denn damals war dort ja alles voller Sand und feinem Staub. Da hat man manchmal nichts mehr gesehen.

CAR: Fällt es Ihnen dann nicht auch schwer, vom Bruchweg wegzugehen?

Klaus Hafner: Also wenn ich sagen würde, dass mir das leicht fällt, würde ich lügen. Denn mit dem Bruchweg verbinden mich eine der schlimmsten, aber auch eine der schönsten Stunden, die ich im Fußball erleben durfte.

CAR: Gibt es einen bestimmten Moment oder irgendein Spiel, an das Sie sich auch noch in zehn Jahren gerne zurückerinnern werden?

Klaus Hafner: Da gibt es viele Spiele. Zum Beispiel das Überlebensspiel gegen Schalke 04 mit einer Choreographie, wie sie deutschlandweit einzigartig war.

CAR: Hat sich die Arbeit als Stadionsprecher von Mainz 05 im Laufe der Jahre verändert? Wenn ja, inwiefern?

Klaus Hafner: Ja, klar. In den ersten Jahren, vor 2000 Zuschauern, gab es lediglich zwei Sponsorendurchsagen und die Mannschaftsaufstellung. Heute gibt es vor dem Spiel viele Informationen von und zu den Sponsoren, generell mehr Aktionen wie Scheckübergaben und Ehrungen. Das sind alles Dinge, die es früher nicht gab. Und man muss natürlich auch sehen, dass der Stadionsprecher immer mehr im Fokus steht, was die Verantwortlichkeit betrifft. Denn der Stadionsprecher vertritt innerhalb der zwei Stunden den Verein Mainz 05 und muss daher Acht geben, dass sich die Stimmung im Stadion immer so ein bisschen die Waage hält.

CAR: Also versuchen Sie bewusst bei jedem Spiel von außen auf die Stimmung einzuwirken, damit auch bei jedem Spiel erkennbar wird, was Mainz 05 ausmacht, wie eben der Fair Play Gedanke, die freundliche Begrüßung des Gegners?

Klaus Hafner: Ja. Ich spreche nicht von Gegnern, sondern von Gästen. So fängt es bei mir schon mal an. Das habe ich vor Jahren mit den Fans zusammen eingeführt, was am Anfang zwar nicht einfach war, aber ich bin froh, dass wir das so gemacht haben und wenn unsere Fans heute auswärts reisen, merken sie das auch. Sie sind überall willkommen, weil wir halt auch unsere Gäste herzlich willkommen heißen.
Bei den ersten Spielen, das weiß ich noch, gab es schon eine große Skepsis, aber dann hat man plötzlich gemerkt, dass das gut ankommt.  Den endgültigen Durchbruch mit dieser Aktion haben wir geschafft, als Bayern München als Deutscher Meister das erste Mal ins Bruchwegstadion kam. Da erhob sich das ganze Stadion. Da war die Akzeptanz endgültig da und Uli Hoeneß war suizidgefährdet, weil er erwartet hat, dass er beleidigt wird. Stattdessen hat er Applaus bekommen - das hat es noch nie gegeben.
Das Spiel wird in 90 Minuten auf dem Platz entschieden und wir als Fans können einfach etwas durch unsere einmalige Stimmung, durch unsere Herzlichkeit dazu beitragen. Dann werden wir auch anders wahrgenommen und das finde ich toll. Das Tollste war, als ein Vater zu mir gesagt hat, dass er nach 15 Jahren wieder sein Kind mit ins Stadion nähme, weil das jetzt wieder ohne Probleme möglich wäre. Und es ist auch wirklich toll, was unsere Fans mittlerweile selbst auf die Beine gestellt haben. Ob das die Choreographien sind oder sonstige Dinge. Ich bin sehr dankbar vor diesen Fans sprechen zu dürfen.

CAR: Gibt es eigentlich einen Vertrag zwischen Ihnen und Mainz 05 oder ist die Zusammenarbeit einfach per Handschlag geregelt?

Klaus Hafner (lacht): Ja, die Zusammenarbeit ist per Handschlag mit Präsident Harald Strutz geregelt. Die Zusammenarbeit hängt davon ab, ob wir uns noch ertragen können oder nicht.

CAR: Sie waren auch bei der Grundsteinlegung am 16. März dabei. Konnten Sie auch, wie der Geschäftführer des Generalübernehmers HBM, Axel Eichholz, den Fußball schon schnuppern?

Klaus Hafner: Ja. Das war auch ein sehr bewegender Tag für mich, weil dieser Tag wieder einen neuen Abschnitt dokumentiert hat. Ich finde auch das Engagement von Coface einfach sensationell. Denn auch das muss man sagen, wenn man keinen Partner hat, kann man so ein Projekt nicht stemmen. Als ich dann unten stand und mich mal ein bisschen umgeschaut habe, dachte ich, oh Gott, das wird ja eine riesige Kiste.

CAR: Sie waren auch schon auf der neuen Stehplatztribüne.

Klaus Hafner (schmunzelt): Ja, aber ich habe gewartet bis unser Präsident wieder heruntergegangen war, denn uns beide trägt die Tribüne nicht.

CAR: Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem Bau der Coface Arena?

Klaus Hafner: Die Coface Arena soll eine Heimat für Mainz 05 und seine Fans mit einer einzigartigen Stimmung werden. Wichtig ist auch, dass wir den Fair Play Charakter mit in die neue Arena nehmen, das ist für mich ganz wichtig. Das ist nicht nur ein Wunsch von mir, sondern auch von 90 Prozent aller Zuschauer. Man muss sich auch einmal vor Augen führen, wie die Stimmung hier gewachsen ist. Als ich angefangen habe, hat mal oben auf der alten Tribüne ein Fan gesessen und dieser Fan hatte eine Hupe. Damals wollten die anderen Zuschauer, die in Ruhe Fußball gucken wollten, noch den Ordnungsdienst rufen, weil dieser Fan aufhören sollte, zu hupen.

CAR: Gibt es irgendetwas, was Sie gerne in der neuen Arena verändern würden?

Klaus Hafner:
Nein, eigentlich, nicht. Die Frage ist, wie viel man noch verbessern kann und will. Ich bekomme ja auch ein positives Feedback von Sprecherkollegen, die uns, unsere Stimmung und auch dieses Ambiente, was wir haben, bemerkenswert und besonders finden. Und, wie gesagt, mein größter Wunsch ist, dass dieser Fair Play Gedanke und der Respekt voreinander auch im neuen Stadion oberste Priorität hat. Natürlich wünsche ich mir auch, dass wir alle Spiele gewinnen und dass unser Stadion immer ausverkauft ist. Ein weiterer Wunsch ist, dass sich alle Fans vor dem ersten Spiel in der Coface Arena am Bruchwegstadion treffen und dann gemeinsam zur neuen Arena laufen würden. Das wäre eine tolle Geschichte.

CAR: Welche Risiken bringt aus Ihrer Sicht der Bau der Coface Arena mit sich? Es gibt auch Beispiele dafür, dass neue Arenen nicht immer die gewünschten Effekte bringen. Man betrachte sich nur einmal die Entwicklung bei Alemannia Aachen, die kurze Zeit nach dem Umzug nicht mehr den großen Zuschauerandrang verzeichnen konnten.

Klaus Hafner:
Wir haben dieses unverschämte Glück, jetzt, und ich bin auch davon überzeugt in der nächsten Saison, wir ziehen ja wahrscheinlich im April 2011 um, das ist kurz vor Ende der Saison 2010/2011, dass wir dann als Erstligist in das neue Stadion gehen. Dann ist es natürlich auch erst einmal so, das hat man zum Beispiel auch in Gladbach gesehen, dass die Leute alle neugierig sind. Und dann liegt es natürlich auch an uns allen, die mit in die Arena wechseln, dieses besondere Flair, das uns auszeichnet, mit hinüber zu nehmen. Und wir haben ja auch gesehen, dass es nach dem Abstieg keinen großen Rückgang bei den Zuschauerzahlen gab. Natürlich waren nicht alle Spiele ausverkauft, aber was wir beibehalten konnten war der gegenseitige Respekt. Und dadurch blieben Mannschaft und Fans eine Einheit und diese Einheit, die brauchen wir, weil ohne diese Einheit haben wir keine Chance.

CAR: In der neuen Arena wird es dann auch, anders als     am Bruchweg, Videoleinwände geben. Sicherlich wird sich dann auch das ganze Rahmenprogramm im Stadion ändern, das Ganze auf die neue Technik ausgerichtet werden. Trauen Sie sich überhaupt zu, solche Veränderungen mit zumachen?

Klaus Hafner: Wer keine Veränderungen mit macht, ist schon tot. Außerdem habe ich ja, bedingt durch meine Moderation bei der Frauenfußballnationalmannschaft, hinsichtlich der neuen Technik schon Erfahrung. Bei den Frauenländerspielen gibt es immer Videowalls. Das ist für mich also nichts Neues. Das ist kein Problem.

CAR:
Beschreiben Sie doch bitte mal für Außenstehende einen typischen Tagesablauf als Stadionsprecher an Heimspielen.

Klaus Hafner: Ich bin in der Regel um 12 Uhr am Stadion. Dann gibt es Sitzungen mit den Verantwortlichen und mit der Marketingabteilung. Da wird der gesamte Ablauf rund um das Spiel besprochen. Heute beispielsweise begleitet mich ein junges Mädchen, die bei einem Wettbewerb für Nachwuchssprecher gewonnen hat. Sie darf mit mir die Mannschaftsaufstellung machen. Es werden alle Aktionen wie Scheckübergaben besprochen. Dann folgt das Spiel. Nach dem Spiel bin ich noch ca. 20 Minuten im Stadion und anschließend halte ich mich im Außenbereich auf, um mit Fans zu reden und um das Spiel abklingen lassen zu können. Weil man ja schon sehr angespannt ist. Man steht wirklich 90 Minuten unter Strom, achtet auf alles was auf dem Platz, aber auch außerhalb des Platzes passiert.

CAR: Was sagen Sie zur aktuellen Saison?

Klaus Hafner: Wir können, bis auf die letzten Spiele, mit dem Verlauf der Saison sehr zufrieden sein. Die Mannschaft hat sich frühzeitig gerettet, was ja sehr untypisch für Mainz 05 ist und der Verein hat dadurch nun die Möglichkeit, schon im Vorfeld Aktivitäten hinsichtlich der neuen Saison zu entwickeln. Ich würde mir wünschen, dass wir von den letzten Spielen noch ein paar gewinnen, weil das wichtig ist für die Stimmung in der neuen Saison.

CAR:
Wo verfolgen Sie eigentlich die Auswärtsspiele? Bei Auswärtsspielen sind Sie meistens nicht im Stadion des Gastgebers zu sehen.

Klaus Hafner:
Nein, weil ich mir auch einen gewissen Freiraum lassen muss. Ich gucke mir die Spiele entweder zu Hause oder an Großleinwänden an.

CAR: Sie haben es selbst schon angesprochen, 2011 steht nicht nur der Umzug in die Coface-Arena an, sondern auch die Fußballweltmeisterschaft der Frauen in Deutschland. Sie waren schon bei einigen Spielen der Frauennationalmannschaft als deren Stadionsprecher tätig. Werden wir Klaus Hafner auch bei der Weltmeisterschaft 2011 im Einsatz sehen?

Klaus Hafner:
Das steht noch nicht fest. Es werden für acht Stadien Stadionsprecher gebraucht und es werden jetzt noch bei anderen Länderspielen Kolleginnen und Kollegen getestet. Natürlich wäre es schön, wenn ich dabei wäre. Zumal man sagen muss, dass das bei der Frauennationalmannschaft etwas Tolles ist. Dieses Miteinander und diese Fannähe, was ganz anders ist als bei der Herrennationalmannschaft, sind schon toll. Die Männer sind ja doch eher alle abgeschirmt.

CAR:
Und so ein Finale Deutschland gegen Brasilien in Frankfurt mit Ihnen als Stadionsprecher, das ist doch sicherlich etwas, wovon man träumt?

Klaus Hafner: Natürlich. Ich habe ja schon das Spiel Deutschland gegen Brasilien in Frankfurt begleitet und habe schon dieses Ambiente erlebt. Wenn es zu so einem Endspiel käme und ich hätte die Ehre, als Stadionsprecher dann dabei sein zu können, dann wäre das die Krönung meiner Laufbahn als Stadionsprecher, das muss ich ehrlich sagen.

CAR: Heute steht jetzt das Heimspiel gegen Borussia Dortmund mit Ex-Trainer Jürgen Klopp an. Ist das für Sie ein besonderes Heimspiel?

Klaus Hafner: Das ist es mit Sicherheit. Zumal ich ja Jürgen Klopp von Anfang an bis zum Schluss begleitet habe. Ich habe alles mit ihm erleben dürfen, was den Fußball betroffen hat. Seine Spiele, die plötzliche Einsetzung als Trainer, die verpassten Aufstiege, der Aufstieg und dann auch der Abschied. Ich habe Jürgen Klopp 18 Jahre begleitet und deshalb ist es natürlich etwas Besonderes. Auch die ehemaligen Spieler und Zeljko Buvac wieder zu sehen, ist etwas Besonderes.

CAR:
Dann wünschen wir nun viel Spaß beim Wiedersehen und bedanken uns recht herzlich, dass Sie sich die Zeit genommen haben.


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