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26.06.2010,  12:33 Uhr Olly Balmes zurück

Neues Stadion, neue Technik

In einem brandneuen Stadion findet sich natürlich auch das Neueste an technischen Errungenschaften. Die Coface Arena ist nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch. Wie sich dies in der Coface Arena darstellt, erfragte Arena-Reporter Olly Balmes bei 05-Klimawart Stephan Bandholz.


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Coface Arena-Reporter Olly Balmes: Guten Morgen Stephan, wie geht´s?

Stephan Bandholz: Sehr gut, danke!

Erkläre uns doch bitte mal vorweg, seit wann Du bei Mainz 05 bist und was dein Aufgabengebiet ist.

Bandholz: Ich bin seit dem 1. Januar 2010 wieder bei Mainz 05 angestellt, vorher war ich zwei Jahre beim VFL Wolfsburg. Davor, während meiner Zeit als Student der Diplomsportwissenschaften, war ich zweieinhalb Jahre als Praktikant und studentische Aushilfe bei Mainz 05 angestellt. Nun habe ich den Posten des „Stadionmanagers“ der Coface Arena inne, bin also direkt für die Arena zuständig und vertrete die Interessen des Vereins während der Bauphase. Eine tolle und sehr spannende Aufgabe!

Du bist aber auch der „Klimawart“ im Verein, warst schon des Öfteren im Stadionheft als solcher zusammen mit „Klimaverteidiger“ Niko Bungert abgelichtet…

Bandholz: Mainz 05 setzt schon seit längerer Zeit auf Umweltschutz. 2006/2007 bekam der Verein das ÖKOPROFIT Siegel der Stadt Mainz verliehen. Seit Jahren haben wir eine Fotovoltaikanlage auf der Südtribüne installiert. Mainz 05 versucht, wo es nur geht, CO² einzusparen. Dabei ist natürlich wichtig, dass ökologische und auch ökonomische Aspekte zusammenpassen. Gerade in der Coface Arena spielt die Ökologie, aber natürlich auch die Effizienz eine große Rolle. Generell hat sich Mainz 05 dazu verpflichtet, immer etwas besser zu werden und möglichst klimaneutral zu arbeiten.

Das heißt also in der Arena soll eine sowohl umweltfreundliche als auch Kosten minimierende Technik eingebaut werden?

Bandholz: Richtig!

Gib mal bitte ein Beispiel. Und wer sagt überhaupt, was realisiert wird und was nicht, wer liefert die Ideen?

Bandholz: Natürlich gibt es allgemeine Vorschriften, z.B. in den Bereichen Sicherheitstechnik, diverse Bauvorschriften, etc. Die Wünsche des Bauherren und des Vereins Mainz 05 werden ebenso eingebracht und geprüft wie die Vorschläge des Generalunternehmers HBM. Da kann man gemeinsam auf langjährige Erfahrungen zurückgreifen und weiß ziemlich genau, was in so ein Stadion hineingehört. Zum Beispiel die Gebäude-Leit-Technik (GLT): Von einem zentralen Rechner aus werden Raumluft, Heizung, Kälteanlagen und andere Systeme gesteuert und so ganz genau und effizient genutzt, also sowohl umweltfreundlich als auch kosteneffizient. Was realisierbar ist und was nicht ist von vielen Faktoren abhängig die sich oft gegenseitig bedingen.

Gibt es weitere Beispiele für eine „umweltfreundliche Coface Arena“?

Bandholz: Im neuen Stadion werden auf allen Dächern insgesamt über 8000 m² Fotovoltaikzellen installiert, sie wiegen insgesamt 17 kg/m² also ca. 136 Tonnen. Der hier erzeugte Strom wird allerdings nicht direkt für das Stadion genutzt, sonder über zwei Trafos, die im Stadion stehen, in das städtische Stromnetz eingespeist. Mainz ist nur Verpächter der Dachfläche, Betreiber und Nutzer der Anlage ist Rio, eine Tochter der Stadtwerke AG, sowie die Firma Juwi. Die Anlage kann und wird wohl auch nicht erst mit dem ersten Fußballspiel in Betrieb gehen, sondern sobald sie fertig gestellt ist. Dies könnte schon um einiges früher sein. Sie wird einen Spitzenwert von 860 kWp liefern!

Hast Du noch weitere Beispiele für ökologische Maßnahmen im neuen Stadion?

Bandholz: Da wäre zum Beispiel die Wärmerückgewinnungsanlage zu nennen. Im Bereich der Küche in der Haupttribüne wird durch eine UV-C Anlage die Abluft entfettet. Diese „saubere“ Luft kann Ihre Wärmeenergie direkt an die Zuluft übertragen und diese damit aufwärmen. So sparen wir Heizkosten. Auch haben wir uns für eine dezentrale Warmwasserversorgung entschieden. Sie erfolgt nun nicht aus einem, sondern aus drei kleineren Warmwassertanks, die wesentlich effizienter genutzt werden können. Ein weiterer Punkt sind die Toilettenspülungen. Im Bruchweg laufen leider einige Spülungen ja permanent durch, absolute Wasserverschwendung. Im neuen Stadion werden Toiletten mit Wasserspülung und wasserlose Urinale eingebaut. Die Spülung der Urinale in der Promenade erfolgt durch eine Art magnetische Ringsteuerung, die individuell angepasst vor und nach den Spielen sowie in der Halbzeit läuft. Somit werden die Urinale nicht mehr manuell sondern zentral in Gruppen gespült, sind trotzdem immer sauber und wir sparen viel Wasser.

Noch mal zum Strom zurück: Wie viel wird die Coface Arena denn verbrauchen?

Bandholz: Das ist schwer abzuschätzen. Die Flutlichtanlage bleibt zum Beispiel  gleich, da die DFL für Fernsehübertragung mindestens 1400 Lux auf dem Spielfeld vorschreibt. Der Verbrauch bleibt also konstant. Das erreichen wir mit den 160 bis 180 Lampen unter den Dachkanten ziemlich genau. Insgesamt stehen dem Stadion 3,4 MWh zur Verfügung, sowohl aus der Einspeisung aus dem Stromnetz als auch durch das Notstromaggregat. Dadurch werden GLT, TV-Übertragung, Flutlicht, Sicherheitstechnik, eben alles, was „elektrisch“ betrieben wird, in Gang gehalten.

Die Coface Arena wird also wesentlich weniger Energie verbrauchen als das Bruchwegstadion?

Bandholz: Das ist schwer zu sagen. Die Arena wird ja nur alle zwei Wochen voll ausgelastet, eben zu den Bundesligaspielen. Ansonsten haben wir zwar immer wieder kleinere Veranstaltungen in den Räumlichkeiten des Stadions, die aber bei weitem nicht den Energiebedarf haben, wie ein Bundesligaspiel. Das Bruchwegstadion ist etwas ganz anderes. Hier läuft bzw. lief neben den Spieltagen auch der gesamte Energieverbauch durch den Trainingsbetrieb auf. Der Trainingsplatz, beide Rasenheizungen, die Beleuchtung für die Trainingsanlagen…

Gehen wir mal von der Pro-Kopf-Belastung von CO² während eines Bundesligaspiels aus. Die neue Arena fasst ja immerhin rund 75 Prozent mehr Zuschauer.

Bandholz: Aufgrund der neuen Technik und der effizienten Ausnutzung ist die Coface Arena auf jeden Fall ökologischer und mit Sicherheit auch viel effizienter als das Bruchwegstadion.

Danke für deine Zeit und die Informationen, Stephan!

Bandholz: Gern geschehen!

 

 

 


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